Zu Barrosos Europa
Es sind oft die Auditorien von Universitäten, die Staatsmänner auswählen, um ihre Visionen der Zukunft zu präsentieren. So auch José Manuel Barroso, Präsident der europäischen Kommision und Zukunftsträger Europas. Am 20. April stellte er an der Universität Genf seine Strategien für ein sicheres, solidarisches, offenes und erfolgreiches Europa vor.
Besonders auffallend war die geographische Offenheit, die er an den Tag lehnte. Grundsätzlich seien alle Mitgliede des Europarates dazu fähig, Mitglieder der EU zu werden. Allerdings müsse auf die „Aufnahmekapazität“ der Union geachtet werden. Trotzdem: auch Russland ist eines der 45 Europarats-Mitglieder. Eine reale Beitrittsperspektive haben wohl eher Weißrussland, Moldawien und die Ukraine. Und er sieht einen Kulturkampf: zwischen jenen, die Europas Potenzial erkennen und es nutzen wollen und jenen, die – aus Unwissen oder falscher Indoktrinierung – Europa den Rücken kehren. Hier seien die Universitäten gefragt, um Aufklärungsarbeit zu leisten.
Abschließend nahm der Kommissionspräsident noch eine inzwischen berühmte Formulierung des französischen Staatspräsidenten Chirac auf: „N’ayez pas peur!“ – „Habt keine Angst“ vor dem Europa der Zukunft. Diese Angst ist jedoch durchaus berechtigt, denn laut Barroso gibt es keinen Plan B, wenn Frankreich am 29. Mai gegen die neue Verfassung stimmt.

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